Die Pokerbande beim ADAC-GTC 9h Rennen von Oppenrod

10382360_655842607833510_7562817849723501738_oMan muss schon besonders gute Karten in der Hand halten, will man die, für die GTC recht kurze Distanz von 9 Rennstunden, als Sieger verlassen. 40 Teams, alle innerhalb von 1,4 Sekunden, die besten 30 sogar nur in 1 Sekunde, das GTC Feld rückt immer dichter zusammen. Dazu kommen abgezockte Profis bei der Taktik und technischen Vorbereitung der Einsatzkarts. Da kommt es auf Feinheiten an, es sei denn es fängt an zu regnen, dann schlägt die Stunde der Zocker. Besonders fiel Grund zum Pokern hat der Tabellenführer und Laufsieger von Templin mit 10kg „Strafballast“ Der MSC Oberflockenbach #33 kann im Quali das Kart noch auf die 20.Postion stellen, schafft im Rennen aber nur die (wie passend) 33 schnellste Rennrunde. Wer dann die Flinte ins Korn wirft, hat schon verloren, also setzt man wie so oft auf Konstanz und Durchhaltevermögen auch wenn es „schwer fällt“

10495091_655898151161289_4039363923444526611_o10383721_655897657828005_4208359559290072270_oDicke Wolken schon fast zum Rennbeginn und es tröpfelte auch immer mal ein wenig. Der Himmel sah bedrohlich aus, aber öffnete seine Schleusen nur äußerst spärlich. In einer dieser „Tröpfelphasen“ pokern die ersten und setzen auf Regenreifen. Mit dabei das Messebau Racing Team. Fazit, verzockt. Ein Top-Favorit ist damit hoffnungslos zurückgefallen. Dies galt aber auch für die Kartbahn Bad Rappenau (Hinterachse gewandert) oder die Scuderia Nove Rosso (Strafe wegen Untergewicht) und ganz schlimm für Born4Racing (unverschuldeter Unfall mit irreparablen Chassis) Es ging aber auch anders herum. Als nach 3,5 Stunden die Strecke eindeutig nass bis überflutet war, weigerten sich manche Teams standhaft auf Regenreifen zu wechseln, bis man den Fehler viel zu spät korrigierte waren einige Runden und Podest Hoffnungen dahin.  Die Oppenröder Regenzeit brachte zwangsläufig einige Ausrutscher und Pace-Kart Phasen. Prominenteste Opfer waren Shark Endurance Racing, die Cool Runnings und die Scuderia Kempten, alle mit nicht geplanten Standzeiten zwecks Instandsetzung der Einsatzgeräte.

 

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Springen wir dann in die letzten Rennstunden. Mittlerweile gab es rund herum wieder eine trockene Spur und die Kontrahenten belauerten sich. Wer wechselt zuerst auf Slicks. Wie üblich machen das die Teams die zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu verlieren haben. Schön für die Spitze, man kann schauen wie schnell die Slick bereiften Teams unterwegs sind. Als dann das MSC O Junior Team als erste Mannschaft aus den Top 5 in die Box sticht wird es interessant. Vor dem Stopp lagen sie mit einer Runde Rückstand hinter den Zehn Geboten und ATW Racing auf Platz 3. Danach waren sie 3 Runden hinter der Spitze auf Rang 6 unterwegs fuhren aber noch nicht wesentlich schneller als die Spitze. Runde um Runde gingen die Slicks aber besser und schon bald konnte man 1-2 Sekunden schneller fahren als die restlichen der Top-Ten, die alle noch mit Regenreifen unterwegs waren. Die belauerten sich nach wie vor, nach dem Motto: Wechselt Du nicht, wechsele ich auch nicht.

10479088_655897064494731_2659219014807465256_o10498120_655896857828085_5078092275130353233_o 10498619_655898691161235_5664231078045768005_oNoch 50 Minuten. Die Zehn Gebote liegen vor ATW-Racing. Es folgen mit einer Runde Rückstand Honda Spirit vor dem MSC O Junior Team, die mit ihren Slicks weiter aufholen. Pikanterweise müssen die ersten beiden aber noch zu einem Fahrerwechsel in Box, Honda Spirit und der MSC O haben das schon erledigt. Wie man auch rechnet, nach einem Fahrerwechsel wären alle vier Rundengleich und die MSC O Junioren, als einzige auf Slicks, fahren nun schon 2 Sekunden schneller. Wechseln die ersten beiden bei ihrem Stopp auch auf Slicks, geht ihnen wohl viel zu viel Zeit verloren.

Man belauert sich weiter und je länger man den Wechsel hinausschiebt umso größer ist die Wahrscheinlichkeit des der MSC O als lachender „Vierter“ vom Platz geht. Als der theoretisch beste Zeitpunkt für einen Fahrerwechsel längst überschritten ist, haben die ersten beiden pures Glück. 15 Minuten vor Feierabend strandet die #78 mit einer wandernden Hinterachse auf der Strecke. Pace-Kart!  Die Zehn Gebote und ATW Racing stechen in die Box und wechseln die Fahrer nun unter Gelb. Die Zehn Gebote treffen dann noch die richtige Entscheidung, einen wanderden Radstern nicht zu fixieren und kommen so ohne eine Rund zu verlieren wieder auf die Strecke zurück. Das MSC O Junior Team kann es nicht fassen. Ohne die letzte Pace-Kart Phase hätte es wohl locker gereicht, aber so liegen die ersten beiden noch mit einer Runde vorn und da das Feld nur noch für 2 Runden unter Grün Gas geben darf, rettet sich die Zehn Gebote mit einem schleifenden Hinterrad doch noch als erster ins Ziel. Auch bei ATW Racing ist man happy. „Der Regen hat uns schon geholfen, im trockenen wären wir wohl nicht so weit vorne reingefahren“ Die 19. schnellste Rennrunde belegt die Aussage von Teamchef Armin Buffy. Mit Sekunden Vorsprung rettet sich Honda Spirit vor den MSC O Junioren ins Ziel. Platz 5 geht an den Sieger der Trophy-Klasse, H&R HBDL aus Siegen vor der #33 dem MSC Oberflockenbach, und die waren trotzdem so richtig happy. Trotz 10kg Handicapgewicht und dadurch nur mäßigen Speed als Sechster im Ziel und Tabellenführung verteidigt. Was will man mehr, als mit dem fast langsamsten Kart im Feld auf den 6.Platz zu fahren. Schon viele Pokerspieler haben mit schlechten Karten eine Top-Platzierung erreicht.

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Die Top Ten beschließen dann die Top-Teams, denen einfach das Glück fehlte. Shark Endurance Racing auf dem 7.Platz, vor den Cool Runnings, die Scuderia Nove Rosso und die Hausexperten.de II

 

Damit ist Halbzeit in der GTC. In der 2.Saisonhälfte gibt es aber einige Punkte mehr einzufahren als bei den ersten drei Veranstaltungen. Abschreiben sollte man da keinen. Im letzten Jahr hatte zu diesem Zeitpunkt das Messebau Racing Team gerade mal einen einzigen Meisterschaftspunkt eingefahren! Am Ende durfte man den 4.Platz mit 161,5 Punkten feiern.