Die Unglaublichen

Cheb zum Sommeranfang 2013. Seit Donnerstag trainierten die GTC´ler auf der eigentlich genialen Anlage nur wenige Kilometer hinter der Deutschen Grenze. Aber die Regenmassen die für eine Jahrhundertflut sorgen sollten verwandelten die Strecke, Boxen und Fahrerlager in ein nie gekanntes Feuchtgebiet. Der Rennstart stand auf der Kippe. 34 Mannschaften stellten sich der Herausforderung obwohl der Wetterbericht schlimmes erahnen ließ.

Start_ChebNach 2 Tagen Regen, Kälte und Wind wollte am Samstag eigentlich keiner gerne noch 12h Rennen fahren. Alles war nass und klamm, die Vergaser spuckten literweise Wasser aus und sorgten immer wieder für Pace-Kart Phasen um die Karts zu bergen. Wer von der Strecke abkam versank im Schlamm. Streckensicherung und Rennleitung hatten auch keine richtige Lust mehr. Und dann gab es Teams, die bereits nach einer Rennstunde hoffnungslos zurücklagen weil die Motoren nicht mehr laufen wollten, Crashs für verbogene Chassis sorgten oder die Technik einfach streikte. Aufgeben? Dies wäre verständlich gewesen. Es hätte keinen gewundert wenn so mancher fluchtartig das nasse Element verlassen hätte um es mit einer warmen Stube zu tauschen. Den Sonntag entspannt vor der Glotze zu verbringen wäre zu verlockend gewesen.

Messebau_Racing_ChebDa kennt man die GTC Teams aber schlecht. Wenn man zum Beispiel an Wlen Next Generation oder den DK-Kartshop denkt, die so viel schrauben mussten das man Gefahr lief weniger Runden zu schaffen als das Pace-Kart und dennoch nicht zusammenpackt, weiß wie wahre Langstrecken Racer ticken. Nicht eines der 34 Teams streckte die Waffen, alle kämpften sich durch die Fluten, egal was kam. Solange sich noch ein einziges Rad dreht wird auch weiter gefahren. Unglaublich! Unglaublich auch, dass es richtigen Rennsport zu sehen gab. Wer dachte eine Top-Platzierung zu ergattern indem er einfach nur durchkommt, lag mal gründlich daneben. Man musste richtig „angasen“ um es auf das Podest zu schaffen. Am besten gelang dies dem GTC Rekord Team, den Zehn Geboten aus Hagen, die damit ihren Vorjahreserfolg aus Cheb wiederholen konnten. Leicht wurde es ihnen aber nicht gemacht.

Zehn_GeboteDie Zehn Gebote muss man ja immer auf der Liste der Sieganwärter haben, nicht so die Neueinsteiger. Das aber mit H&R HBDL by ATB ein Rookie-Team der engste Verfolger war, verwunderte das gesamte Fahrerlager. Unglaublich der Speed der neuen Mannschaft aus Siegen. Unglaublich das eine neue Truppe mit einem ebenfalls neuen Chassis (Cosmic) die Technik im Griff hat und bei den extremen Bedingungen keine technischen Probleme bekommt. Der 2te Platz, was selbstverständlich auch den Sieg ADAC-Trophy-Wertung bedeutete, war sensationell. H&R HBDL by ATB fuhren erst ihr 3tes GTC Rennen! Während die Zehn Gebote am Ende 3 Runden Vorsprung hatten tummelten sich von Platz 2 bis 8 alle mehr oder weniger in einer Rennrunde. Entsprechend spannend ging es zur Sache. Honda Spirit/Offenbach hatten Pech. Eine halbe Stunde vor Rennende fing auch ihr Twin-Kart an zu stottern und man musste tatenlos mit ansehen, wie man vom 3ten Platz auf Rang 8 zurückgeworfen wurde. Das MSC O Junior Team „erschwamm“ sich so den 3ten Rang knapp vor Shark Endurance Racing, die sich gerade mal mit einer 1 Sekunde Vorsprung auf ATW-Racing ins Ziel retten konnten. Die ATW Mannschaft mit ihrem neuen MG-Chassis hatten ebenfalls nur 1 Sekunde Vorsprung auf den MCS Stuttgart, die ihr Mach1 damit auch zum 2ten Rang in der ADAC Trophy steuerten. 3 Sekunden dahinter der Auftaktsieger, Messebau-Racing / Sinsheim. Unglaublich, nach 12h kreuzt der Vierer-Verfolgerpack innerhalb von 5 Sekunden die Ziellinie! Ein weiterer Rookie enterte die Top-Ten und damit auch den 3ten Platz in der Trophy. Die Jungs vom KSF Bosch/Bamberg präsentierten sich richtig stark und konnten dabei noch das Live-Strip.com Team knapp hinter sich halten.

Unglaublich, mit H&R HBDL by ATB, dem MCS Stuttgart und dem KSF Bosch lagen gleich 3 Trophy Teams in den Top-Ten. Der Kampf um den 4ten Rang in der Trophy war ebenfalls eine Sekundensache. Wlen by BPR Racing/Osterburken rettete sich knapp vor den Hausexperten.de II/Wiesbaden ins Ziel.

Extrem gut aufgelegt präsentierte sich der Sieger im BEBA Cup. Der Auftaktsieger von Hahn, gewinnt auch in Cheb. Dem Sensory-Minds Team aus Offenbach gelang dies auf dem 13ten Gesamtrang!) Nebenbei fuhren sie auch noch den Sieg in der Senior-Masters ein. Stark! LPoint Racing/Sinsheim und Ixetic Racing/Bad Homburg sicherten sich die Ränge 2 und 3, vor der Scuderia Kempten und MBS Racing aus Köln.

Alle Mannschaften die es nicht auf das Podest geschafft haben fuhren dennoch als Gewinner nach Haus. Sie haben es geschafft. Den Fluten getrotzt, bei der Kälte ausgehalten und den inneren Schweinehund besiegt. Von diesem Rennen wird man noch lange sprechen. „Weißt Du noch, damals in Cheb bei der GTC? Wir waren dabei! Wir haben es geschafft!“ Unglaublich!