Standpunkt

Warum es keine Sollzeit bei den Boxendurchfahrten geben sollte

Der Langstreckensport ist ein Teamsport und anders als bei den Sprintrennen, geht es nicht darum wer der schnellste Fahrer ist (oder wer die schnellste Fahrerpaarung zusammengestellt hat) sondern wer das beste Team ist. Dazu gehören alle Beteiligte; Fahrer, Mechaniker, Taktiker und Boxencrew.

Gerade das macht die Faszination Langstrecke ja aus. Da geht der Puls des Vorläufers schon in ähnliche Höhen wie der eines Fahrers beim Start, jeder ist involviert und fiebert mit. Es wird diskutiert ob man beim nächsten Stopp die Reifen wechselt, die lose Kette jetzt schon nachspannt, Tanken oder Doppelturn riskieren. Überall geht man an die Grenzen (auch beim Speedlimit) erhofft sich dadurch ein Vorteil. Die Fahrer sind vielfältiger gefordert als beim Sprint. Steche ich in die kleine Lücke hinein? Mache ich gemeinsame Sache mit meinem direkten Konkurrenten? Ausdauer, Mitdenken, das Material schonen und trotzdem schnell sein ist die hohe Kunst.

Auch in den Boxengasse hat keiner richtig Ruhe. Jederzeit kann das Pace-Kart auf die Strecke gehen, dann sind Blitzschnelle Reaktionen gefordert. Man muss die Trackposition seines Fahrers im Verhältnis zu Konkurrenz wissen, am besten auch noch ob beim direkten Gegner ein Tankstopp oder Fahrerwechsel ansteht. Und dann kommt auch noch Glück, oder Pech hinzu. Der Tank geht zur Neige und just kommt das Pace-Kart raus. Perfekt!

Genau aus diesen ganzen Parametern beziehen die Mannschaften ihre Motivation immer weiterzukämpfen, niemals aufgeben auch wenn man den Speed nicht ganz mitgehen kann. Alles ist möglich. Das macht die Faszination aus.

Diese Spannung und Wettbewerb in der Boxengasse, verbunden mit den Taktischen Möglichkeiten, darf man auf keinen Fall mit einer festen Boxenstandzeit zunichtemachen.


Bleibt das Thema Kontrolle des Speedlimits. In der GTC wird nichts so gut kontrolliert wie das Speedlimit Box. Trotzdem werden einige Übeltäter wohl ungeschoren davonkommen, doch diese Unterschiede (behaupte ich) sind nicht so gravierend. Die Technik/Infrastruktur auf den Strecken ist leider noch nicht so weit, ein Speedlimit für alle bei jeder Durchfahrt belegbar zu messen. Am liebsten wäre uns ein System bei dem eine rotes Licht am Kart angeht, sobald das Kart eine definierte Geschwindigkeit nach einem Halt (Waage) überschreitet und diese Licht dann (für alle sichtbar) erst nach für 60 Sekunden erlischt. Solange die Technik oder eine andere praktikable Idee nicht für Abhilfe sorgt, werden wir weiter mitstoppen, die Teams an die Grenzen gehen und damit auch eine Zeitstrafe riskieren.

Und die Sicherheit? Hier kann man natürlich nicht auf technische Lösungen warten. Teams die vorne mitfahren wollen müssen an die Grenzen gehen. Auch beim Fahrerwechsel. Da werden zehntel gesucht! Nur eine Frage der Zeit, bis ein Kart allein in der Box unterwegs ist. Damit keine Zugangsbegrenzung zur Boxenanlage benötigt wird, haben wir den Vorläufer vorgeschrieben, genau wie ein „stehendes Kart“ beim Fahrerwechsel.  Der „Vorläufer“ soll dann noch mit dem Fuß das Kart vor dem wegrollen (hängendes Gas) sichern. Bei der Sicherheit darf man die Hände nicht in Schoss legen. Hier muss ständig nach Verbesserungen gesucht werden und nicht erst wenn ein Unfall passiert.  Im nächsten Jahr ist es angedacht, dass zusätzlich der Motor ausgeschaltet sein muss sobald der Fahrer aussteigt.