Der Ladykracher

Das war ein Ding! Wer nicht dabei gewesen war kann es nur schwer nachvollziehen. Die Mädels der Schnitzelalm legten ein Rennen hin, das es so in der GTC auch noch nicht gab. 24h lang dominierten die Mädels die Cup-Klasse auf einem Niveau der Champions League, mitten in den Top-5 des Gesamtklassements. Hallo, die Cup Klasse ist die dritte Liga der GTC für Rookies und Gentlemen Teams!

Vor dem Rennen lagen die Mädels mit MBS Racing zusammen auf P1 des Cups und waren 20te der Gesamtwertung. Nach dem Bavarian 24h sieht es nun etwas anders aus. Mehrmals haben wir genau hingeschaut. Beim Kampf um den Gesamtsieg wäre es durchaus legitim gewesen, die Mädeltruppe mit ein, zwei Fahrern aus der #11 zu verstärken, doch das war gar nicht nötig. Im Gegenteil, in der #101 gab die junge Corinna Hirsch ihr GTC Debüt und die war bisher nur in kleineren Nationalen Honda Sprintserien unterwegs. Mit Charlotte Wilking hatte man zwar eine der schnellsten im GTC Feld an Bord, aber alle 6 Mädels kamen zum Einsatz und zeigten eine herausragende Leistung die im Cup Sieg und P4 im Gesamtklassement mündete. Die Teamkollegen im Griff und sogar die schnellste Rennrunde durch Charlotte. Das war ein Kracher! In der Leichtathletik hätte man sofort so etwas wie „Doping“ unterstellt. Damit kein Verdacht zurückbleibt war Teamchef Thomas Angerer froh darüber, dass der Motor der #101 gleich zur Vollkontrolle einbehalten wurde.

Im Windschatten der Mädels ging eine weiter sehr starke Leistung fast unter. Bereits im Qualifying lag ein weiteres Team aus dem Cup auf Überraschungskurs. Die BIGBOYS aus Sylt enterten die 6 Startposition und spulten dann ihr erstes 24h Rennen ab, als ob sie bislang nichts anderes gemacht hätten. Ein kleinerer Fehler der Mädels und sie wären bereit gewesen die Führung im Cup zu übernehmen. Am Ende mit 5 Runden Rückstand auf P2 im Cup und das ganze auf P8 des Gesamtklassements! In der 21 jährigen Geschichte des Bavarian 24h hat es so etwas noch nicht gegeben, nur 7 Mannschaften schafften überhaupt mehr Rennrunden als die BIGBOYS zu drehen, bei jedem anderen Bavarian 24h hätte die Rundenanzahl zum Gesamtsieg gereicht!

Mit den Mädels und den BIGBOYS lagen also zwei Rookie Mannschaften vorn, die über einen erfahrenen Service Partner verfügen, der das Einsatzgerät so eingestellt und aufgebaut hatte, das nicht nur der Speed stimmte sondern auch nicht das kleinste technische Problem auftauchte. Da hatten es die anderen Rookies schon schwerer. Für die waren nicht nur die Abläufe Neuland sondern auch die Kunst ein Chassis (welches eigentlich für 15 Minuten Rennen gebaut wurde) so aufzubauen das es die Hatz zwei Mal rund um die Uhr überstehen kann! Mit Bravour schaffte das Rene Bethke mit seiner RBM Mannschaft. Knapp die Top-10 des Gesamtklassements verpasst und P3 im Cup, dabei fuhren die Jungs noch eine schnellste Rundenzeit die für die Top-10 reichte! Denkt man 4 Monate zurück an den Saisonauftakt in Cheb, sieht man die schnelle Entwicklung bei den Rookies.

Das trifft auch für Racoon Racing zu. Die Hessen wollten es nicht wahrhaben. Noch am Donnerstag beim Welcome Grill jammerten sie über ihre Brustschwachen Motoren und das man doch das Reglement etwas anders aufstellen sollte. Nur wenige Stunden später legen sie ein Rennen hin das mindestens auf Trophy Niveau lag. Topzeiten, bis zur Halbzeit gleichauf mit RBM und den BIGBOYS und dann ihr Tony über die Distanz gebracht, noch dazu auf P4 im Cup. Rookie Herz was willst Du mehr.

Das es auch ganz anders kommen kann, musste OSM Motorsport erleben. In Wittgenborn noch starker Sieger der Cup Klasse, erlebte der Rookie in Wackersdorf sein Waterloo. Verglichen mit der Cup Spitze zeigte ihr Tony Chassis den Speed eines lahmen Gaules um dann nach 444 Runden auseinanderzubrechen. Die Braunschweiger mussten nach 7,5 Stunden um 21.30Uhr zusammenpacken.

Es gab so viel Aktion in der Cup Klasse, das die tollen Fights um Platz 4-8 fast untergingen. Platz 5 ging an die RS Mannschaft. Abgebrochenen Stehbolzen sorgten für ein Radverlust, einer Safety Kart Phase und hatte dann auch noch eine 3 Minuten Strafe zur Folge. So war P5 hinter Racoon natürlich nicht zu halten und die junge FirEx Mannschaft enterte den letzten Podiumsplatz. Zum Glück konnte RS noch den amtierenden Tabellenführer von MBS/Köln um eine Runde auf P7 verweisen. Die Kölner liegen damit auf P3 in der Meisterschaft, nach einer sensationellen ersten Saisonhälfte haben die Jungs nun einen kleinen Durchhänger. Kein Wunder, bei den Schicksalsschlägen, die das Team zur Zeit verkraften muss. Wir wünschen hier noch einmal alles Gute und beten für die zwei Teamkollegen, die es so hart getroffen hat.

Mit Sensory Minds by ABR (51), nano-Racing und den Herkules Racer auf P10 sind die Top-10 des Cups genannt. Insgesamt startet 16 Teams im Cup, davon sahen 14 die Zielflagge.

Zum Finale in Liedolsheim gehen nun die Schnitzelalm Mädels als Tabellenführer, aber ihr Vorsprung ist marginal. Die BIGBOYS lauern nur 12 Punkte dahinter und 60 Punkte gilt es noch zu ergattern. Selbst MBS Racing (P3) und FirEx (P4) können bei einem für sie glücklichen Rennverlauf noch von der Vice-Meisterschaft träumen.